Hintergrund

Warum gibt es das Netzwerk?

In den 1990er und 2000er Jahren wanderten viele Menschen aus den neuen Bundesländern ab -  insbesondere ins frühere Bundesgebiet. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 1,5 Mio. Ostdeutsche, die nach der Wende fortgezogen sind, nun im früheren Bundesgebiet leben. In der Zeit von 1992 bis 2015 zogen etwa 527.000 Personen aus Brandenburg ins frühere Bundesgebiet, 256.000 zogen in die anderen neuen Länder. Einige Beispiele: Welzow verzeichnete von 1990 – 2016 einen Bevölkerungsrückgang um  44%..(das ergänze ich noch…)

Dies hat viele negative Folgen – insbesondere auch über diese Zeit hinaus -  für Unternehmen, Zivilgesellschaft und den Erhalt von Lebensqualität vor Ort und Infrastruktur. In den Unternehmen fehlen Fachkräfte, in den Vereinen und der Kommunalpolitik mangelt es an Nachwuchs, soziale Infrastruktur wird weniger nachgefragt, Leerstand steigt und familiäre Netzwerke werden dünn oder zerreißen.

Ehemalige BrandenburgerInnen als Potential für Lausitz, Prignitz und Uckermark

Mit den verbesserten Rahmenbedingungen, insbesondere auf dem Arbeitsmarkt, erwägen nun mehr und mehr BrandenburgerInnen eine Rückkehr in ihre Heimatregion. Und dies trotz recht hoher Zufriedenheit in den Lebens- und Arbeitsbedingungen vor der Rückkehr.*

Die positiven regionalen Effekte einer Rückkehr gehen weit über die Fachkräftesicherung hinaus: die Nachfrage nach sozialen Infrastrukturen wird verbessert, neuer Wohnraum entsteht bzw. Leerstand wird reduziert und soziale und familiäre Netzwerke werden gestärkt. Die Rückkehr ist in der Regel eine wohl überlegte, lang geplante Entscheidung – man kehrt ganz bewusst in die Heimat zurück. Und wer diesen bewussten Schritt unternimmt, verspürt dann oft auch das Bedürfnis seiner Heimatregion etwas zurückzugeben. Viele RückkehrerInnen engagieren sich aus diesem Grund ehrenamtlich vor Ort.* Und nicht zuletzt werden durch die beruflichen und privaten Erfahrungen in anderen Regionen Deutschlands oder im Ausland auch neue Ideen in die Heimatregion mitgebracht.

Konkrete Angebote und eine authentische Beratung unterstützen die Entscheidung

Eine umfassende und authentische Beratung kann Rückkehrwillige dabei unterstützen, ihren Wunsch zeitnah Wirklichkeit werden zu lassen. Eine individuelle Beratung, in der oft auf Augenhöhe „von Rückkehrer zu Rückkehrer“ Bedenken, Zweifel und Wünsche offen angesprochen werden können,  beantwortet wichtige Fragen, beseitigt letzte Zweifel, unterstützt ganz praktisch und setzt damit den Umzugsprozess in Gang. Untersuchungen belegen, dass soziale Gründe wie Nähe zur Familie, Heimatverbundenheit, verfügbare Kinderbetreuung die meistgenannten Gründe für die Rückkehr in die Heimat sind – aber erst mit konkreten Angeboten,  insbesondere für einen Arbeitsplatz, der Prozess erst ins Rollen kommt.

Die wahrgenommene Komplexität eines Rückzugs ist im Vorfeld allerdings nicht zu unterschätzen. Vor allem, wenn wie so oft nicht Einzelpersonen, sondern ganze Familien ihren Lebensmittelpunkt verlegen. Es geht dann um Perspektiven für alle Beteiligten, die die langfristigen Bleibechancen erhöhen.  

In der Beratungspraxis zeigt sich zudem, dass sich oft gerade junge Familien zur Rückkehr entschließen, die im Alltagsleben über wenig Ressourcen verfügen, um in der Heimatregion nach Arbeits- oder Immobilienangeboten zu suchen. Oft kommt der Prozess dann erst ins Rollen, wenn ein konkretes Job- oder Immobilienangebot aus der Heimat vorliegt und sich durch regionales Know-How eine realistische Perspektive eröffnet.

Immer häufiger nehmen diese Aufgabe der Beratung und Unterstützung sogenannte Rückkehrerinitiativen wahr. Diese bestehen in der Regel aus einem Netzwerk an regionalen Partnern, die es sich zum Ziel gesetzt haben, Abgewanderten die Rückkehr in ihre Heimatregion so gut wie möglich zu erleichtern. Neben der tatsächlichen Unterstützung fungieren diese Initiativen und Akteure auch als positive Werbeträger für die Regionen, in denen sie aktiv sind. Jede gelungene Rückkehr erzählt eine Erfolgsgeschichte aus der Heimat und macht anderen Mut, den Schritt auch zu wagen. Bezahlbarer Wohnraum, verfügbare Angebote der Kinderbetreuung, die Nähe zur Familie sind starke Argumente, die für die Rückkehr nach Brandenburg sprechen.

Stadtflucht als neuer Trend

Das ländliche Brandenburg ist zunehmend auch für Städter attraktiv, die noch nicht zuvor in Brandenburg gelebt haben. Gerade junge Familien erwägen aufgrund der gestiegenen Immobilienpreise (Miete und Kauf) und infrastrukturellen Engpässe zunehmend einen Umzug von der Stadt aufs Land. Hier ist Brandenburg natürlich insbesondere für Berliner interessant. Diese Zuzugswilligen benötigen ebenso Unterstützung und qualifizierte Beratung mit regionalem Know-How und Netzwerken, um zufrieden auf dem Brandenburger Land anzukommen und dort dauerhaft zu bleiben.

Synergien durch Netzwerkarbeit

Im Netzwerk „Ankommen in Brandenburg“ haben sich seit 2017 Akteure und Initiativen aus verschiedenen Regionen Brandenburgs zusammengeschlossen, die sich fokussiert der Förderung von Rückkehr und Zuzug in ihre Regionen widmen und dabei Rückkehr- und Zuzugswillige unterstützen. Mittlerweile 19 Mitglieder aus allen Regionen Brandenburgs tauschen sich regelmäßig zu wirksamen Strategien und regionalen Aktivitäten aus und arbeiten gemeinsam daran, für Brandenburg als attraktiven Arbeits- und Wohnort zu werben.

Konkret hat das Netzwerk folgende Aufgaben:

  • Förderung von Austausch, Kooperationen und Synergien zwischen den Netzwerkpartnern
  • Unterstützung neuer Netzwerkpartner durch Beratung und Lieferung von Beispielen
  • Gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit auf Veranstaltungen, Presse und in den Sozialen Medien
  • Lenkung des öffentlichen Fokus auf das Thema Rückkehr und Zuzug in Brandenburg und Anregung von Rückkehr und Zuzug durch Kommunikation positiver Beispiele
  • Organisation einer Fachveranstaltung pro Jahr zum Thema gemeinsam mit einem Netzwerkmitglied
  • Organisation von vier Netzwerktreffen im Jahr, zentral bzw. vor Ort bei einem Mitglied
  • Beauftragung und Koordinierung von jährlichen wissenschaftlichen Untersuchungen zum Thema Rückkehr und Zuzug

Unterstützt wird das Netzwerk aus Mitteln der Staatskanzlei des Landes Brandenburg, die Geschäftsstelle führt die Initiative „Comeback Elbe-Elster“.

*Leibniz Institut für Länderkunde 2012/2016 und Befragung des Netzwerkes 2018/2019 in Guben, Wittstock, Finsterwalde und Fürstenwalde/Spree